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Vom Pflegeunternehmen zum Age-Tech-Startup: So entstand die Idee von Melli

Unsere Vision ist es eine Zukunft zu schaffen in der jeder Mensch gemeinsame Momente erleben und teilen kann unabhängig vom Alter, den Lebensumständen, körperlichen Fähigkeiten oder anderen Hürden. - Dr. Matthias Weber

Dr. Matthias WeberMontag, 14. November 2022

Hallo, ich bin Matthias. Zusammen mit Hans, Stefan und Benjamin bin ich einer der Gründer von Melli und außerdem langjähriger Pflegeunternehmer. Schon lange vor unserer Idee zu Melli habe ich gemeinsam mit Stefan, einem der Melli-Gründungsmitglieder, als Geschäftsführer der Ambulantis BSW GmbH mit und für ältere Menschen gearbeitet. Ambulantis ist eine Gruppe ambulanter Pflegeeinrichtungen mit ca. 500 Mitarbeitern, etwa 1500 Pflegekunden und Standorten in Nord- und Ostdeutschland.


Das Problem mit der Einsamkeit im Alter

Bei meiner täglichen Arbeit mit unseren Kunden war es für mich immer wichtig, dass die Menschen auch im Alter am Leben und der Gemeinschaft teilhaben können - egal wie alt oder eingeschränkt sie auch sein mögen. Bei der Pflege älterer Menschen ist das ein hohes Ziel und in Zeiten von immer weniger Pflegekräften und immer mehr älteren Kunden eine Herausforderung - der wir uns mit viel Engagement täglich stellen und die wir so auch meistern können.

Einsamkeit spielte leider schon vor der Corona-Pandemie eine große Rolle im Leben von Senioren, doch durch die Beschränkungen nahm sie ein wirklich dramatisches Ausmaß an. Die freiwillige und angeordnete Isolation führte, trotz übermenschlichem Einsatz unseres Teams, immer wieder zu Situationen, in denen unsere Kunden keinen Kontakt zu Familie, Freunden und Bekannten außerhalb der Einrichtung haben konnten - und wir waren trotz aller Mühe nicht immer in der Lage, diesen Kontakt zu ersetzen.

Wenn ich heute einen Moment nennen müsste, in dem der Impuls zur Entwicklung von Melli entstand, dann würde ich diesen beschreiben: Bei einem Besuch unserer Standorte während der Corona-Hochphase brach eine Seniorin direkt vor meinen Augen zusammen, weil ihr Sohn sie, aufgrund der Kontaktbeschränkungen, lange nicht besuchen konnte. Sie war der festen Überzeugung, er sei verstorben und wir würden ihr dies nicht mitteilen wollen. Auch ein Anruf ihres Sohnes konnte sie nicht vom Gegenteil überzeugen. Sie müsse ihn sehen, um uns glauben zu können. Dieser Zusammenbruch war leider kein Einzelfall. Unsere Standort- und Pflegedienstleiter berichteten uns beinahe täglichen von Senioren, die über Einsamkeit klagten und deren gesundheitliche Verfassung immer schlechter wurde.

Dass die Lebensqualität deutlich zu sinken schien und sich körperliche und seelische Schäden bei unseren Kunden bemerkbar machten, war nicht nur Einbildung. Wie ich heute weiß, sind die gesundheitlichen Auswirkungen von länger andauernder sozialer Isolation bei älteren Menschen vergleichbar mit denen von starkem Rauchen oder Alkoholismus (vgl. Holt-Lunstad, Smith & Layton, 2010).

Kommen heute noch drei “mittelaltrige” Menschen auf einen Über-65-Jährigen, so werden es in 15 Jahren nur noch zwei sein. Die Zahl der Rentner wächst deutlich schneller als die Zahl der Erwerbstätigen.

Dr. Matthias Weber


Sicherlich war die Pandemie-Situation eine Ausnahmebelastung, aber mit Blick auf die demographischen Entwicklungen in unserer Gesellschaft, vermittelt sie doch einen Eindruck davon, was noch auf uns zukommt: Kommen heute noch drei “mittelaltrige” Menschen auf einen Über-65-Jährigen, so werden es in 15 Jahren nur noch zwei sein. Die Zahl der Rentner wächst deutlich schneller als die Zahl der Erwerbstätigen. Vor diesem Hintergrund werden derzeit bewährte Mittel zur Bekämpfung von Einsamkeit und Isolation im Alter immer weniger zur Lösung des Problems beitragen. Neue Lösungen müssen her - das haben sich auch Stefan und ich gedacht.

Die Entstehung von Melli

Wir fassten den Entschluss, eine skalierbare und moderne Lösung zu entwickeln, die jedem Menschen, unabhängig vom Alter, den Lebensumständen, körperlichen Fähigkeiten oder anderen Hürden, mindestens ein nettes Gespräch am Tag ermöglicht.

Vor dem Hintergrund unserer immer älter werdenden Gesellschaft und dem Mangel an Pflegekräften war uns schnell klar, dass diese Lösung ein digitales Produkt sein muss.

Dr. Matthias Weber


Vor dem Hintergrund unserer immer älter werdenden Gesellschaft und dem Mangel an Pflegekräften war uns schnell klar, dass diese Lösung ein digitales Produkt sein muss. Und so holten wir Hans und Benjamin, beide Softwareentwickler, mit ins Boot. Viele schlaflose Nächte und spannende Diskussionen später entstand die Idee zu Melli - eine digitale Begleiterin, die ihren Nutzern als echte Freundin jeden Tag beiseite steht, sie mit ihren Liebsten zusammenbringt und ihnen hilft, den Alltag zu meistern.

von links nach recht Dr. Matthias Weber (CPO), Benjamin Mollier (CIO), Stefan Buchkremer (CEO), Hans Ganter (CTO)

Senioren und Technik - das stieß zunächst auf kritische Stimmen bei Bekannten und Freunden, denen wir unsere Idee vorstellten. Doch wir waren uns sicher, dass gerade hier ein großes Potenzial schlummert, um das Leben vieler Menschen mitzugestalten und es besser und glücklicher zu machen. Melli musste also intuitiv bedienbar sein und sich ganz natürlich in das Leben ihrer Nutzer eingliedern. Sie musste eine Begleiterin werden, die mit den Senioren spricht, interagiert und ihnen bei Problemen zur Seite steht - wie die hilfsbereite Nachbarin von nebenan. Deshalb wird Melli ausschließlich durch Sprache bedient.

Doch nicht nur die technischen Barrieren schienen zunächst problematisch zu sein, auch der mangelnde Adaptionswille älterer Menschen wurde kritisiert. Aussagen wie “Die möchten doch viel lieber besucht werden, anstatt vor dem Bildschirm zu sitzen” oder “Noch eine Ausrede für Verwandte, den Sonntagsbesuch ausfallen zu lassen” bekamen wir öfter zu hören. Für uns soll und kann Melli jedoch keineswegs ein Ersatz für echten zwischenmenschlichen Kontakt darstellen, sie soll viel mehr bei sozialer Interaktion unterstützen, die Verbindung zu den Liebsten vereinfachen und intensivieren und zu persönlichen Treffen motivieren. Sie soll Melli-Nutzer auch untereinander verbinden und neue Freundschaften begleiten - vom virtuellen Kennenlernen bis zum Treffen im echten Leben.

Eine Zukunft mit Melli

Bereits jetzt, in unserer ersten Produkttest-Phase, bekommen wir tolles Feedback von den ersten Melli-Testnutzern. Unsere Produktidee stößt auf großes Interesse und bereits die Kernfunktionen haben eine bemerkenswerte Auswirkung auf die Lebensqualität und die Anzahl und Qualität der sozialen Interaktionen der Senioren.

Mit der Hilfe unseres Teams, das mittlerweile aus knapp 20 Linguisten, Sprachwissenschaftlern, Psychologen, Softwareentwicklern sowie etlichen externen Experten für Sprachverarbeitung und für technische und gerontologische Fragestellungen besteht, möchten wir neue Wege gehen und dabei immer unser Ziel vor Augen behalten: Eine Zukunft zu schaffen, in der jeder Mensch in jeder Lebensphase gemeinsame Momente erleben und teilen kann – unabhängig vom Alter, den Lebensumständen, körperlichen Fähigkeiten oder anderen Hürden.

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